«The Narrative» eröffnet die Solothurner Filmtage

Die 61. Solothurner Filmtage eröffnen am 21. Januar 2026 mit der Weltpremiere des Dokumentarfilms «The Narrative» von Bernard Weber und Martin Schilt. Der Film erzählt die Geschichte des Investmentbankers Kweku Adoboli, der 2011 durch Handelsspekulationen am ETF- Desk der UBS in London einen Verlust von zwei Milliarden Schweizer Franken verursachte, den grössten der jüngeren Schweizer Bankgeschichte. Ehrengast der Eröffnung ist Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider.
«The Narrative» ist zudem für den Prix de Soleure nominiert.

Lange wurde laut gängiger Darstellung ein einzelner Mann für den Milliardenverlust verantwortlich gemacht: Kweku Adoboli. Solange er für die UBS Millionengewinne erwirtschaftete, galt er als Vorzeige-Trader. Als sein Team jedoch zwei Milliarden verlor, übernahm er allein die Verantwortung. Eine Entscheidung, die sein Leben für immer verändern sollte.

Vom gefeierten Investmentbanker zum Angeklagten

«The Narrative» zeigt erstmals die persönliche Reflexion von Adoboli und seinem Umfeld über die Umstände und Motive, die zu diesem Verlust und zum Bruch in seiner Biografie geführt haben. Der Film beleuchtet die Geschichte hinter den Schlagzeilen und thematisiert Schuld, Verantwortung und systemische Mechanismen in der globalen Finanzindustrie. Dabei stellt er die zentrale Frage: Inwiefern kann ein einzelnes Individuum für ein ganzes System verantwortlich gemacht werden? Zugleich erzählt der Film von Solidarität und Freundschaft und zeigt, wie wichtig Rückhalt in schwierigen Zeiten ist.

Weltpremiere mit den Co-Regisseuren Bernard Weber und Martin Schilt

«Unser Film ist ein Plädoyer für eine Fehlerkultur in der Finanzindustrie und gegen Vorverurteilungen. In diesem einzigartigen Fall der Schweizer Wirtschaftsgeschichte möchten wir die Frage nach Verantwortung neu und differenzierter stellen. Umso mehr freut es uns, in Solothurn zu eröffnen, an einem Ort, der die Möglichkeit bietet, mediale Gewissheiten zu hinterfragen und das Publikum einzuladen, hinter die Fassade zu blicken.» – Bernard Weber und Martin Schilt.

Statement von Niccolò Castelli, künstlerischer Leiter

«Der Eröffnungsfilm handelt von einem jungen Menschen, der schnell zum Sündenbock für eine komplexe Finanzindustrie wurde. Einmal in die Welt gesetzt, wurde das Narrativ vom skrupellosen Finanzhändler wiederholt und zementiert. Der Film untersucht die Macht medialer Erzählungen und macht deutlich, wie schwierig es ist, diesen zu entkommen. Das Publikum lernt nicht nur den Fall, sondern auch den Menschen Kweku Adoboli kennen. In diesem empathischen Zugang der Filmschaffenden liegt die Kraft von «The Narrative» – eine andere Erzählung als die von «Tätern» und «Opfern» wird möglich.»